Qualität in Kitas - kann man das messen?
Was ist Qualität in Kitas?

 

Hintergrund: Kita-Qualität

Viele Studien belegen: Kinder profitieren in ihrer Entwicklung, wenn sie eine Kita mit hoher pädagogischer Qualität besuchen.

Was bedeutet hohe Qualität für Kitas?

Träger, Leitungskräfte und Kita-Teams definieren, was ihre Kita zur qualitativ hochwertigen Kita macht und ihre Arbeit besonders auszeichnen soll. In ihrer Konzeption legen sie Ziele und Leitlinien für ihr pädagogisches Handeln, Schwerpunkte ihrer Arbeit und Rahmenbedingungen für die Organisation des Kita-Alltags fest. Dabei müssen bzw. sollten die Akteurinnen und Akteure folgende Aspekte beachten:

Bundesrecht (Sozialgesetzbuch, SGB VIII) und die Kitagesetze in den einzelnen Bundesländern stecken verbindliche Zielsetzungen und Rahmenbedingungen ab. Die Bildungs- oder Orientierungspläne, die die Länder für Kitas erarbeitet haben, machen darüber hinaus umfangreiche pädagogisch-inhaltliche Vorgaben.

Nationaler Kriterienkatalog für beste Fachpraxis
2007 veröffentlichten Professor Wolfgang Tietze (Freie Universität Berlin) und Professorin Susanne Viernickel (Alice Salomon Hochschule Berlin) den sogenannten Nationalen Kriterienkatalog zur pädagogischen Qualität in Kindertageseinrichtungen. Er führt wissenschaftliche Erkenntnisse und Praxiswissen von 1.500 pädagogischen Fachkräften zusammen und beschreibt beste Fachpraxis. Seine Aufgabe ist es, die Bildungs- bzw. Orientierungspläne zu ergänzen und zu konkretisieren. Inzwischen liegt der Nationale Kriterienkatalog in der fünften, überarbeiteten Auflage vor.

Anforderungen von Familien
Hohe Qualität bedeutet, gesetzliche Vorgaben und fachliche Standards einzuhalten. Hohe Qualität heißt aber auch, die Wünsche und Anforderungen der Zielgruppen zu kennen, die eine Organisation mit ihren Dienstleistungen anspricht. Für Kitas sind das vor allem die Kinder und ihre Eltern. Hohe Kita-Qualität entsteht auch im Dialog mit den Zielgruppen.

 

Qualität zeigt sich in vielen Bereichen

Frisch gekochtes Essen, Öffnungszeiten von 11 Stunden am Tag, ein besonders vielfältig gestaltetes Außengelände, konsequente alltagsintegrierte Sprachförderung, ein Kinderparlament als Organ der Mitbestimmung: Dies und vieles mehr kann Ausdruck der hohen Qualität einer Einrichtung sein. Qualität zeigt sich also in unterschiedlichen Feldern.

Fachleute unterscheiden daher folgende Qualitäts-Dimensionen:

Orientierungs-Qualität
Orientierungs-Qualität beschreibt die Qualität der Ziele und Leitlinien, wie sie zum Beispiel in der Konzeption verankert sind. Die Orientierungsqualität ist dann hoch, wenn die Leitlinien der Arbeit fachlichen Standards entsprechen. Außerdem sollten sie verständlich formuliert und konkret genug sein, um als Handlungsanleitung für die Praxis zu dienen.

Prozess-Qualität
Prozess-Qualität beschreibt die Qualität der pädagogischen Praxis. Eine hohe Prozess-Qualität ist dann gegeben, wenn es gelingt, die theoretisch formulierten Standards (Orientierungs-Qualität) praktisch umzusetzen. Dafür müssen die Fachkräfte sich mit der Konzeption ihrer Einrichtung auseinandergesetzt und deren Leitgedanken verinnerlicht haben. Dann gelingt es ihnen in den vielfältigen pädagogischen Situationen des Kita-Alltags auch spontan im Geiste der pädagogischen Leitideen zu handeln.

Struktur-Qualität
Struktur-Qualität beschreibt die äußeren Rahmenbedingungen. Dazu gehören zum Beispiel der Fachkraft-Kind-Schlüssel, die Qualifikation der Fachkräfte, die Öffnungszeiten der Einrichtung oder die Größe der Kita-Räume. Entsprechen diese Parameter aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, kann von einer hohen Struktur-Qualität ausgegangen werden. Viele Aspekte, die die Struktur-Qualität ausmachen, sind den Kitas und ihren Trägern vorgegeben. Die Einrichtungen haben aber auch Gestaltungsspielräume: Zum Beispiel können sie bestimmte Öffnungszeiten festlegen, unterschiedliche Verpflegungskonzepte realisieren, ihre Personalplanung nach eigenem Ermessen durchführen oder Zusatzangebote machen.  

Ergebnis-Qualität
Ergebnis-Qualität beschreibt die Qualität der Früchte der Kita-Arbeit. Sie ist dann hoch, wenn die gesteckten Ziele erreicht werden. Für einige Ziele lässt sich dies relativ leicht überprüfen, zum Beispiel, wenn es darum geht, gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu bieten. Für andere Bereiche ist dies kaum möglich. Welchen Anteil hatte etwa die Bildung und Erziehung in der Kita daran, wenn sich ein Mensch später als „eigenverantwortliche und gemeinschaftsfähige Persönlichkeit“ (Erziehungsziel laut SGB VIII, § 1) erweist?

Qualitätsunterschiede in Kitas

Die NUBBEK-Studie hat bereits 2012 große Unterschiede bei der Qualität von Kitas aufgedeckt.

„Jeweils über 80 Prozent der Kitas liegen hinsichtlich der pädagogischen Prozessqualität in der Zone mittlerer Qualität. Gute pädagogische Prozessqualität kommt dabei in jedem der Betreuungssettings in weniger als 10 Prozent der Fälle vor; unzureichende Qualität dagegen in zum Teil deutlich mehr als 10 Prozent der Fälle.“

Die Startchancen von Kindern sind demnach desto besser, je qualitativ hochwertiger die Kita arbeitet. Schlechte Startchancen können durch gute Kitas sogar ausgeglichen werden. Qualitativ schlecht arbeitende Kitas können sich entwicklungshemmend auf die Kinder auswirken. Nicht nur deshalb sollten Eltern sich ein Bild über die Qualität der Kita machen können, schließlich verbringen Kinder in Großstädten heute häufig 40 Stunden pro Woche in der Kita. Es wird eine systematische Qualitätssteuerung von Kitas und Trägern empfohlen, um die eigene Qualität sichtbar zu machen und sich systematisch weiterzuentwickeln.

Qualität überprüfen und verbessern

Wie gut es ihnen gelingt, ihre konzeptionellen Ideen und allgemeine fachliche Standards umzusetzen und wie zufrieden Eltern und Kinder mit dem bestehenden Angebot sind, können Kitas oft kaum realistisch einschätzen. Ihnen fehlt dazu häufig das geeignete „Werkzeug“.

Qualitätsmanagerinnen und -manager bieten Kitas einen ganzen „Werkzeugkasten“ an, den sie für sich nutzen können. In diesem Kasten stecken zum Beispiel:

  • Selbstevaluationen
  • Elternbefragungen
  • Kinderbefragungen
  • Beschäftigtenbefragungen
  • Erarbeitung eines Qualitäts-Handbuchs
  • interne und/oder externe Audits

Wer solches Handwerkzeug konsequent nutzt, geht damit die Qualitätsentwicklung seiner Einrichtung systematisch an. Ziel des Qualitätsmanagements ist es, einen Ist-Zustand zu ermitteln und so Qualitätsentwicklungsfelder zu erkennen. Um in diesen Bereichen besser zu werden, definiert die Organisation dann Ziele und Maßnahmen, die sie umsetzt und überprüft. Anschließend beginnt der Prozess von Neuem.

Fachleute beobachteten, dass sich die Praxis dem theoretische Ideal zwar immer weiter annähert, es aber nicht erreicht. Daher gibt es auf jeden Fall Potenzial für Verbesserung und der Prozess läuft stetig weiter.

Hände liegen aufeinander - Teamwork
Wichtiger Erfolgsfaktor: Freude an Weiterentwicklung

Qualitätsentwicklung ist Persönlichkeitsentwicklung für alle Beteiligten. Denn: Der Verbesserungsprozess setzt einen neuen Umgang mit Fehlern und Unzulänglichkeiten voraus. Verbesserer haben begriffen, dass wir alle immer Lernende bleiben. Und sie wissen: Fehler sind Quellen der Erkenntnis.

Schaubild Schnittmenge Selbstbild, Fremdbild, Expertensicht
TopKita
TopKita ist ein Instrument für Qualitätsmanagement, dessen Evaluationsansätze wir in der Praxis entwickelt und erprobt haben. Unterstützt wurden wir dabei von Wissenschaftlern und externen BeraterInnen. Mit der Online-Plattform TopKita möchten wir Eltern und Kitas unsere Erfahrungen und unser Wissen zur Verfügung stellen. Unser Ziel: Wir möchten Kindern in der Kita eine gute Zeit ermöglichen und sie bestmöglich fördern. Jedes Kind soll sein Potential größtmöglich nutzen. Das ist unsere Motivation – und auch die vieler Erziehender, die systematisch die Qualität ihrer Kita evaluieren und weiterentwickeln möchten. Daher unterstützt TopKita Erzieherinnen und Erzieher bei ihrer Arbeit und ihrem Qualitätsmanagement. Zentrale Elemente dabei sind die Elternbefragung, die Kita-Selbstevaluation und das externe Audit.

Mehr zu den Qualitätsstandards von TopKita

Hier gehts es zur wissenschaftlichen Betrachtung von TopKita.

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