Wissenschaftliche Entwicklung TopKita

 

Wissenschaftliche Begleitung durch Frau Prof. Dr. Irene Dittrich, Hochschule Düsseldorf

Die Einsatzmöglichkeiten der TopKita Instrumente Elternbefragung, Selbstevaluation und externe Evaluation – als Audit ausgewiesen – sind vor dem Hintergrund ihrer technischen Güte zu beurteilen. Diese Beurteilung orientiert sich an den klassischen Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität.

Das Vorgehen für die Bewertung der technischen Qualität für die drei benannten Instrumente erfolgt work in progress, das heißt die Ergebnisse ihrer Anwendung werden weiter in die Bewertung einbezogen und für die Auswertung ihrer technischen Güte hinzugezogen.

 

Das Vorgehen zur Feststellung technischer Güte der Evaluationsinstrumente 


Herkunft der Instrumente, Ziele der wissenschaftlichen Begleitung
Die Elternbefragung, der Selbstevaluationsbogen und das Audit wurden unter Beteiligung der Fachkräfte und der Eltern entwickelt und bis 2016 als trägerinternes integriertes Qualitätsentwicklungsinstrument genutzt. Mit dem Ziel einer Veröffentlichung der Evaluationsinstrumente verbinden sich Fragen danach,

  • ob sie die Kriterien bester Fachpraxis abbilden, an denen sich trägerübergreifend viele Kindertageseinrichtungen orientieren und eine Anbindung an Bildungspläne und -programme gelingt,
  • wie gut sie die für Familien und Fachkräfte bedeutsamen Aspekte der Kindertagesbetreuung erfassen und
  • wie sie aufeinander bezogen sind und jeweils die gleichen wichtigen Punkte der strukturellen und prozessualen Aspekte pädagogischer Qualität in den Blick nehmen.

Die Anbindung der Instrumente an Evaluationspraktiken im System der Kindertagesbetreuung erfordert deren Weiterentwicklung zu einem trägerübergreifend geeigneten Evaluationspaket aus den drei Einzelinstrumenten Elternbefragung, Selbstevaluation der Kindertageseinrichtungen und einem externen Einschätzungsverfahren von Expertinnen und Experten. Das Evaluationspaket soll – im Sinne einer Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen Familien und Kindertageseinrichtungen – dem fachlich begründeten Austausch zwischen den Beteiligten dienen und die Qualitätsentwicklung in den Kitas unterstützen. Grundlage dafür ist die Orientierung an Evaluationsstandards und instrumentellen Gütekriterien für aussagekräftige quantitative Datenerhebungen. Die Ziele der wissenschaftlichen Begleitung sind die transparente Darstellung der Aussagekraft des mehrperspektivischen Evaluationspakets für die Entwicklung der pädagogischen Arbeit in den Kindertageseinrichtungen und deren instrumenteller Weiterentwicklung zu einem praxisrelevanten Arbeitsinstrument mit hoher Aussagekraft.


Schritte des Vorgehens
Dafür wurden in einem ersten Schritt die bisher vorliegenden Instrumente  einer Sichtung und Revision unter Bezug auf den Referenzrahmen des Nationalen Kriterienkatalogs (NKK) Pädagogische Qualität in Tageseinrichtungen für Kinder unterzogen (Tietze & Viernickel, 2016), eine Darstellung dieses Arbeitsschritts ist auf dieser Website  nachzulesen. Damit lehnt sich das Qualitätsentwicklungsverständnis von TopKita am Qualitätsmodell an, das für den NKK die Grundlage darstellt und ein bundesweit breit akzeptiertes Modell des Zustandekommens bester pädagogischer Fachpraxis ist (Tietze & Viernickel, 2016: 11). In einem zweiten Schritt wurden die weiterentwickelten Instrumente zur Pilotierung in den Kindertageseinrichtungen angewendet. In einem dritten Schritt werden die Instrumente Elternbefragung und Selbstevaluation auf der Website topkita.de ab Februar 2018 veröffentlicht und einer Fachöffentlichkeit für die Erprobung und Anwendung zur Verfügung gestellt. Kindertageseinrichtungen aller Träger können die von TopKita entwickelten Instrumente und deren Ergebnisse jeweils für die Qualitätsentwicklung in ihrer Einrichtung nutzen.

Verwertung der kitainternen Evaluationsergebnisse
Die Instrumente Elternbefragung und Selbstevaluation sind freie verfügbare Instrumente für alle Kindertageseinrichtungen und Träger. Somit ist die jeweilige Kindertageseinrichtung bzw. der jeweilige Träger bis hin zur Nutzung aller Befragungs- und Selbstevaluations-Ergebnisse für die Qualitätsentwicklung ihr bzw. sein jeweils eigener Auftraggeber und -nehmer, es gibt keine Bindung an ein System des Qualitätsmanagements oder an das weitergehende Vorgehen der Qualitätsentwicklung.  Die Motivation für die Veröffentlichung zur freien Verfügung liegt in der fachlichen Entwicklung der Instrumente und Beförderung bester pädagogischer Fachpraxis.

Die Kindertageseinrichtungen, die sich der Instrumente bedienen, bringen ihre Ergebnisse über die Website in den wachsenden Datenpool ein und beteiligen sich auf diese Weise an der Weiterentwicklung der Instrumente. Dadurch wird die instrumentelle Absicherung und Verfeinerung der Instrumente ermöglicht, alle Befragungsergebnisse gehen in die Datenanalysen zur instrumentellen Güte ein.


Datenschutz
Der entstehende TopKita Datenpool wird unter Beachtung strenger, datenschutzrechtlicher Bestimmungen durchgeführt. Aufgrund der Angaben im Dokumentationsbereich der TopKita Website ist es nicht möglich, die Identität der Träger, Kindertageseinrichtungen und Personen zurückzuverfolgen. Alle Beteiligten – Familien, Fachkräfte und AuditorInnen – sind nur durch Codierungen gekennzeichnet. Die Namen von Familien, Kindern und Fachkräften werden in den Befragungen nirgends eingegeben. Die von einer Familie abgegebene Bewertung wird keinem TopKita Nutzerkonto zugeordnet und ist somit nicht zurückzuverfolgen. Die Verschlüsselung der Daten hat den großen Vorteil, dass die Befragten unter Wahrung Ihrer Anonymität frei Auskunft geben können und auf diese Weise helfen, ein realistisches Bild von der elterlichen Einschätzung der pädagogischen Arbeit und ihrer Sichtweise auf die Zusammenarbeit in der Erziehung, Bildung und Betreuung der Kinder zwischen Familie und Kindertageseinrichtung zu gewinnen.

Wissenschaftliche Anbindung an fachliche Standards
Die Ergebnisse der Analysen zur technischen Qualität der Instrumente zur Einschätzung pädagogischer Qualität aus Eltern-, Fachkräfte- und ExpertInnenperspektiven werden auf dieser Website regelmäßig aktualisiert. Dazu hat das TopKita Institut für Qualität diese wissenschaftliche Begleitung als Auftrags-Praxisforschung an die Hochschule Düsseldorf HSD vergeben. Grundsätzlich sind an Evaluationen aus systemischer Perspektive unter Einbeziehung mehrerer Beteiligter – hier Eltern, Fachkräfte und ExpertInnen – folgende Anforderungen zu erfüllen: Nützlichkeit für die AdressatInnen, der Durchführbarkeit für die Evaluierenden, der Fairness gegenüber den Beteiligten und Betroffenen und der Genauigkeit insbesondere bezogen auf reliable und valide Instrumente (Döring & Bortz, 2016: 992). Für die Elternbefragung und die Selbstevaluation standen diese Anforderungen im Rahmen einer ersten Pilotierung mit sechs Kindertageseinrichtungen im Mittelpunkt der Erprobung und bedürfen nun der weiteren instrumentellen Anwendung und der Datenanalyse von Evaluationsergebnissen hinsichtlich der benannten Gütekriterien.


Externe Evaluation – Audit
Besteht das Interesse einer Kindertageseinrichtung oder eines Trägers, eine externe fachliche Perspektive in die Qualitätsentwicklung einzubeziehen, soll auch das Audit ermöglicht werden. Die sich damit verbindenden hohen Anforderungen an Objektivität, Reliabilität und Validität bezogen auf das Audit-Instrument und dessen Anwendung durch geschulte Personen mit fachlicher Expertise bei nachweislich hoher Durchführungsobjektivität erfordert die Entwicklung eines Erhebungs- und Schulungskonzepts für TopKita. Aussagen zur instrumentellen Güte des Audits sind derzeit aufgrund der noch sehr schmalen Datenbasis noch nicht vertretbar.

 

Technische Qualität der Instrumente

Die bislang vorliegenden Daten zur Bestimmung der instrumentellen Güte wurden bislang ausschließlich in Kindertageseinrichtungen eines Trägers generiert. Insofern können für die nachfolgenden Ergebnisse nicht-kontrollierbare Effekte trägerspezifischer konzeptioneller Vorstellungen sowie Stichprobenverzerrungen nicht ausgeschlossen werden. Im Jahr 2017 wurden die Instrumente einer Expertinnenbegutachtung unterzogen und die jährlich erfolgende Evaluation mit überarbeiteten Instrumenten zur Elternbefragung, zur Selbstevaluation und im Audit in 40 Kindertageseinrichtungen durchgeführt. Sechs der 40 Kindertageseinrichtungen mit insgesamt 233 Familien waren Piloteinrichtungen für die Bestimmung der instrumentellen Güte für die TopKita Instrumente.


Objektivität
Für alle Einrichtungen gilt in derselben Weise, dass die Eltern- und die Fachkräfteperspektive eine jeweils subjektive Sichtweise darstellt und nicht im Sinne technischer Güte eines Instruments der Verobjektivierung von Ergebnissen zu unterziehen ist. Die subjektive Sichtweise der Beteiligten ist systematischer Bestandteil des mehrperspektivischen Evaluationsansatzes.
Hingegen ist die Verobjektivierung einer externen Perspektive in einem mehrperspektivischen Evaluationsansatz für die Qualitätsentwicklung im Sinne fachlicher Unabhängigkeit bedeutsam. Bislang wurde dafür eine trägerspezifische und gleichzeitig einrichtungsexterne Perspektive genutzt, um implizites Wissen über trägerspezifische konzeptionelle Schwerpunkte in der Einschätzung pädagogischer Qualität zu erkennen. In den sechs Piloteinrichtungen wurde das Audit paarweise von zwei Beobachtenden vorgenommen, deren Ergebnisse miteinander verglichen wurden. Beide Beobachtenden sind trägerintern qualifizierte Fachpersonen, von denen ein Beobachter als Evaluations-Master in allen Gruppen evaluierte, der zweite Beobachter jeweils eine Leitungsfachkraft aus einer anderen Kindertageseinrichtung desselben Trägers parallel beobachtete.

Es sind in der weiteren instrumentellen Entwicklung des Audits Aussagen darüber anzustreben, welche Unterschiede sich zwischen einer trägerspezifischen externen Evaluation und einer trägerfremden externen Evaluation auf der Ergebnisebene darstellen lassen. Mit nachvollziehbaren Unterschieden in der Objektivität je ExpertInnenstatus der externen BeobachterInnen und deren Unabhängigkeit vom beauftragenden Träger wird auf diese Weise eine Entscheidungsgrundlage dafür anzubieten sein, die dem jeweils angestrebten Zweck der Evaluation entsprechende Form der externen Evaluation zu wählen.


Reliabilität
Zur Einschätzung der Reliabilität der Elternbefragung wurden die internen Konsistenzen der Skala und der Subskalen geprüft. Die Ergebnisse weisen durchgehend eine Rechtsschiefe auf, die Daten verteilen sich derzeit noch nicht normal. Eine explorative Faktorenanalyse des Instruments weist vier Faktoren aus, die jedoch noch genaueren Prüfungen zu unterziehen sind. Aufgrund der Konstruktion des Instruments in noch nicht verifizierte Subskalen lassen sich Effekte des Hauptfaktors Zufriedenheit (noch) auf die Validität der Subskalen nicht ausschließen. Die vier Faktoren Zufriedenheit allgemein, Kommunikation im System der Kindertageseinrichtung, Personalausstattung und -qualifizierung und Bildungsthemen und Elterninformation über Entwicklung ihres Kindes erklären bislang insgesamt 43% der Varianz in den Elterneinschätzungen. Das ist ein vergleichsweise hoher Wert, gleichwohl ist eine allgemeine Zufriedenheit eine unspezifische Aussagekraft und es bleiben weit über die Hälfte der Unterschiede in den Elterneinschätzungen unaufgeklärt. Genauere Analysen werden sich auf die Subskalen und zentrale Merkmale der fachlichen Selbst- und Fremdeinschätzung pädagogischer Prozesse beziehen.
Für die Darstellung der Reliabilität des Audits über die Prüfung der Test-Retest-Reliabilität und die Prüfung der internen Konsistenzen der Skala und ihrer Subskalen sind weitere Pilotierungen vorzunehmen, die aktuelle Datenlage ist für entsprechende Aussagen noch zu gering.  

Validität
An der Elternbefragung beteiligten sich in den Piloteinrichtungen insgesamt 233 Familien und schätzten parallel zur Elternbefragung die Wichtigkeit jedes einzelnen der 50 Elternbefragungsmerkmale auf einer vierstufigen Skala ein. Der Median für die Wichtigkeit durchgehend aller Merkmale liegt zwischen MD=3 und MD=4. Damit weisen die Eltern darauf hin, dass die ausgewiesenen Merkmale mit expliziter fachlicher Orientierung durchaus eine hohe Bedeutsamkeit für sie haben und das Interesse an zentralen Aspekten der Erziehung und Bildung besteht. Inwieweit hier Stichprobenverzerrungen und Aspekte sozialer Erwünschtheit eine Rolle spielen, wird weiter zu analysieren sein. 

 

Weitere Vorhaben im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung

Insbesondere die Instrumente Elternbefragung und Audit sind weiteren Analysen hinsichtlich ihrer Objektivität, der Reliabilität und der jeweiligen Validität zu unterziehen. Dabei sind Analysen zu fachlich relevanten Konstrukten, insbesondere der Interaktionsqualität zwischen den beteiligten Akteuren an der Herstellung pädagogischer Prozessqualität, einzubeziehen. Bedeutsam für die Aussagekraft der Evaluationsdaten ist ein zu entwickelndes Schulungskonzept für die Erhebungen, das Erhebungseffekte minimiert und zu einer Normalverteilung der Daten beiträgt.

Die Elternbefragung orientiert sich am familienergänzenden Auftrag zur Erziehung, Bildung und Betreuung. Die Merkmale der Elternbefragung mit ihren fachlich angebundenen Merkmalen nehmen damit die Hypothese auf, pädagogische Prozessqualität entsteht in einem Beziehungsgefüge zwischen Eltern, Kindern und Fachkräften, innerhalb dessen die Einschätzungen aller Beteiligter nicht unabhängig voneinander entstehen. Diese Instrumente lassen zu, die Einschätzungen der Eltern und der Fachkräfte aufeinander zu beziehen und Aussagen darüber zu gewinnen, in welcher Weise die Kommunikation zwischen Familien und Fachkräften die einzelnen Konstrukte wechselseitig beeinflussen. Dafür ist eine theoretische Einbettung unabdingbar vor dem Hintergrund der bereits benannten These, es handele sich bei pädagogischer Prozessqualität um ein systemisch konstruiertes Konzept von pädagogischen Handlungsweisen in der Interaktion zwischen Familien und Fachkräften. Gelingt es über die bislang entwickelten Instrumente, die Perspektiven der Kinder über ein weiteres Instrument einzubeziehen sowie die Trägerperspektive in das Evaluationspaket einzubinden, lassen die zu generierenden Daten multiperspektivische Analysemodelle zum Entstehen konkreter pädagogischer Prozessqualität zu.  

Irene Dittrich, Januar 2018

Döring, N. & Bortz, J. (2016): Forschungsmethoden und Evaluation in den Sozial- und Humanwissenschaften (5., vollst. überarb., akt. u. erw. Aufl. 2016), Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg.
Tietze, W. & Viernickel, S. (Hrsg.) (2016); Dittrich, I., Grenner, K., Hanisch, A., Marx, J. (2016): Pädagogische Qualität in Tageseinrichtungen für Kinder. Ein nationaler Kriterienkatalog (Vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage, 5. Auflage), Weimar: verlag das netz.

 


 

TopKita Selbstevaluation und Nationaler Kriterienkatalog im Vergleich

TopKita Elternbefragung

Die TopKita Elternbefragung fragt in 61  Fragen die wichtigsten Bereiche für die Beurteilung der pädagogischen Qualität von Kindertagesstätten ab. Die Fragen sind in die Bereiche  Organisation, Ausstattung und Personalkapazität, Betreuungspersonen, Aktivitäten und Bildungsbereiche, Kommunikation und Gesamtzufriedenheit gegliedert. Die Fragen wurden in sechs Kitas mit rund 233 Eltern getestet und von Frau Professor Dittrich von der Hochschule Düsseldorf auf inhaltliche und instrumentelle Güte geprüft. Dies gewährleistet, dass das Ergebnis für die Kita und die Eltern aussagekräftig ist und eine gute Grundlage für eine Qualitätsentwicklung bietet.

Die Kitas können zu dem Ergebnis der Elternbefragung in der Komfortversion Stellung nehmen  und haben zudem die Möglichkeit, zusätzlich eigene Fragen in die eigene Elternbefragung aufzunehmen.

 

TopKita Selbstevaluation

Bei der TopKita Selbstevaluation werden die gleichen Bereiche wie auch bei der Elternbefragung mit insgesamt 666 Merkmalen abgefragt. So kann die Kita-Leitung die Ergebnisse der Selbstevaluation und die der Elternbefragung in der Komfortversion im Vergleich betrachten . Zusätzlich kann die Kita eine externe Evaluation beauftragen und so die Qualitätsdimensionen aus den drei wichtigsten Perspektiven bewerten zu lassen. Auf dieser Grundlage lassen sich nach der Ergebnisinterpretation konkrete Entwicklungsziele ableiten. Ein Beispiel könnte also sein, dass Eltern die Bewegungsangebote in der Kita sehr schätzen, die Fachkräfte und die externen Evaluatoren dennoch Entwicklungspotential sehen. Entsprechend kann dann die Kita-Leitung mit Fortbildungen nachsteuern.

Die TopKita Selbstevaluation besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil betrifft übergeordnete Themen, die von der Leitung beantwortet werden. Es wird empfohlen, die Fragen bei Einrichtungen ab sechs Vollzeitkräften von mindestens zwei Personen  beantworten zu lassen (Komfortversion), so dass eine realistische Einschätzung gewährleistet ist.

Der zweite Teil richtet sich an die Betreuungspersonen, die täglich unmittelbar mit den Kindern arbeiten. Er ist nach Bildungsthemen geordnet und soll von den Betreuungspersonen beantwortet werden, die das jeweilige Bildungsthema in der Kita verantworten und in diesem Zusammenhang die meiste Zeit mit den Kindern verbringen. Auch die Fragen zu den Bildungsbereichen sollten von mindestens zwei Betreuungspersonen beantwortet werden.  

Die TopKita Selbstevaluation orientiert sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen aus der pädagogischen Praxis. Ausgangspunkt dieser pädagogischen Orientierung ist das kindliche Lernen als selbstständiges Erkunden der Welt. Sie legt einen Schwerpunkt auf einfühlsame Betreuungspersonen, die die individuelle Entwicklung jedes Kindes beobachten, mit ihnen in einen respektvollen Dialog treten und förderliche individuelle Impulse geben. Sie unterstützt die Individualität und Vielfalt sowie die Teilhabe und die Mitgestaltung des Lebens innerhalb und außerhalb der Kita durch die Kinder.

Die inhaltliche Güte der TopKita Selbstevaluation orientiert sich am bisher weit genutzten und anerkannten Nationalen Kriterienkatalog*. Die instrumentelle Güte wurde in Vorbereitung auf die Veröffentlichung von Frau Professor Irene Dittrich von der Hochschule Düsseldorf in sechs Kitas mit 72 Betreuungspersonen  getestet. Im Jahr 2018 werden die Instrumente in weiteren 50 Kitas, sowie in den folgenden Jahren mit steigender Nutzung des TopKita Online-Portals weiter entwickelt.

 

TopKita Selbstevaluation und Nationaler Kriterienkatalog im Vergleich

 

Die TopKita Selbstevaluation ist ein Selbstevaluationsinstrument mit dem Anspruch, inhaltlich die aktuellen pädagogischen Qualitätskriterien der Pädagogik zusammenzufassen. Ein weiterer Anspruch war es, den Selbstevaluationsbogen als gut handhabbares Instrument für eine jährliche pädagogische Selbstevaluation verwenden zu können. Eine jährlich stattfindende Evaluation der zentralen Qualitätsbereiche durch die zuständigen Betreuungspersonen ist nötig, um gute pädagogische Fachpraxis in der Kita zu gewährleisten. Zusätzlich sollte jährlich eine Elternbefragung und alle zwei Jahre eine externe Evaluation stattfinden. Die geforderte jährliche Bearbeitung aller Qualitätsbereiche durch die TopKita Selbstevaluation durch mindestens zwei Fachkräfte ist ein deutlicher Unterschied zum Nationalen Kriterienkatalog (NKK). Dieser sieht vor, dass alle Betreuungspersonen pro Jahr zusammen einen Qualitätsbereich evaluieren. Daher sind in der TopKita Selbstevaluation 666 Merkmale abgedeckt, im Nationalen Kriterienkatalog mit 1678 deutlich mehr Merkmale.

Der erste Teil der TopKita Selbstevaluation, der übergeordnete Themen bei der Leitung abfragt, gleicht nahezu dem Nationalen Kriterienkatalog, die übergeordneten Bereiche sind:

  • Konzeption und konzeptionelle Weiterentwicklung
  • Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung
  • Personalführung und Personalentwicklung
  • Zusammenarbeit mit Familien
  • Mahlzeiten und Ernährung
  • Körperpflege und Hygiene
  • Tagesgestaltung
  • Eingewöhnung
  • Übergang Kindertageseinrichtung – Schule
  • Vernetzung und Sozialraumorientierung
  • Räume für Kinder


Die Anzahl der Merkmale unterscheidet sich jedoch beträchtlich (TopKita: 136; NKK: 868) Inhaltliche Abweichungen gibt es vor allem bei den allgemeinen Leitungsthemen. Im NKK sind folgende Themen mit 113 Merkmalen detailliert beschrieben, die in der TopKita Selbstevaluation nicht vorkommen, da diese überwiegend pädagogische Merkmale abfragt.

  • Kompetenz- und Aufgabenprofil der Leitung (QB 20.1)
  • Zusammenarbeit und Kommunikation im Team (QB 20.3)
  • Strukturen und Abläufe (QB 20.4)
  • Betriebswirtschaftliche Aufgaben (QB 20.5)
  • Betriebliche Gesundheitsförderung (QB 20.6)
  • Öffentlichkeitsarbeit und Fachpolitisches Engagement (QB 20.10)

Außerdem wird bei der TopKita Selbstevaluation in diesem Teil die „Gestaltung von Bildungsbereichen“ und „Beobachtungs- und Dokumentationsinstrumente“ abgefragt. Bei der Gestaltung von Bildungsbereichen geht es um die Planung und Steuerung der Umsetzung der Bildungsbereiche der Betreuungspersonen durch die Leitung. Hintergrund ist, dass die Bildungsbereiche in den Bildungsplänen eine wichtige Rolle spielen. Für eine gute und zuverlässige Umsetzung dieser Bereiche im Kita-Alltag bedarf es einer systematischen Steuerung durch die Leitung, die deshalb in der TopKita Selbstevaluation mit acht Fragen erfragt wird. Beobachtungs- und Dokumentationsinstrumente ist im NKK ein Querschnittsthema, wie auch in der TopKita Selbstevaluation. In diesem Bereich wird jedoch ebenso die systematische Steuerung durch die Leitung erfragt, die eine wesentliche Leitungsaufgabe ist.


Abbildung 1: Teil 1 Fragen an die Leitung der TopKita Selbstevaluation im Vergleich zum NKK (Tietze, Viernickel (Hrsg.): Pädagogische Qualität entwickeln. Praktische Anleitung und Methodenbausteine für die Arbeit mit dem nationalen Kriterienkatalog, Weimar 2017)

  Selbstevaluation     NKK  
Nr Name Anzahl  Merkmale Nr Name Anzahl  Merkmale
1 Pädagogische Konzeption der Einrichtung 7 20 Konzeption und konzeptionelle Weiterentwicklung 14
2 Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung 8 20 Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung 8
3 Einarbeitung, Fortbildung und Personalentwicklung 12 20 Personalführung und Personalentwicklung 30
4 Elternkontakt und Elternkommunikation 18 18 Zusammenarbeit mit Familien 67
5 Ernährung und Hygiene 18 4 Mahlzeiten und Ernährung 80
      5 Körperpflege und Hygiene 122
6 Strukturierung des Alltags 11 2 Tagesgestaltung 65
7 Gestaltung von Übergängen        
  Eingewöhnung 17 16 Eingewöhnung 66
  Übergang Kita - Schule 12 19 Übergang Kindertageseinrichtung – Schule 44
8 Vernetzung & Sozialraumorientierung 5 20 Vernetzung und Sozialraumorientierung Kontakte zu Institutionen und Akteuren im Sozialraum 11
9 Gestaltung von Lernumgebungen 13 1 Räume für Kinder 84
10 Gestaltung von Bildungsbereichen 8     0
11 Beobachtungs- und Dokumentationsinstrumente 7     0
      20 Leitung und Team 113
      17 Begrüßung und Verabschiedung 33
      7 Sicherheit 81
      6 Ruhen und Schlafen 50
    136     868

 

Im zweiten Teil der TopKita Selbstevaluation werden die Bildungsbereiche durch die Betreuungspersonen evaluiert. TopKita geht hier ähnlich vor wie der NKK und fragt die Themen anhand der querliegenden Leitgesichtspunkte ab.

Die Leitgesichtspunkte stehen für die notwendigen Schlüsselkompetenzen qualitätsvoller pädagogischer Arbeit. Durch die systematische Beobachtung sowie durch Dialoge und Interaktionen mit den Kindern, gewinnt die Betreuungsperson fortlaufend Erkenntnisse über die Interessen der Kinder, ihre Bedürfnisse und die jeweiligen nächsten Schritte der Entwicklung. Die Dokumentation und Reflexion dieser bewussten Wahrnehmung kindlicher Bildungs- und Entwicklungsprozesse bildet die Grundlage der pädagogischen Planung. Diese bezieht sich auf die Gestaltung der Lernumgebung sowie auf gezielte Impulse durch Aktivitäten und Angebote zur Förderung der individuellen Entwicklung.

Ebenfalls enthält die TopKita Selbstevaluation, vergleichbar wie der NKK, für jeden Bildungsbereich spezielle Fragen zum pädagogischen Handeln in Bezug auf Kleinstkinder und jüngere Kinder bis zum Alter von drei Jahren. Inhalte, die den u3-Bereich betreffen sind pro Bildungsbereich jeweils mit mindestens 7 Merkmalen abgebildet.


Abbildung 2: Gegenüberstellung der Leitgesichtspunkte  

  TopKita Leitgesichtspunkte   NKK Leitgesichtspunkte
A Erzieherin-Kind-Interaktion (Beobachtung, Dialog, Impuls) 2 Erzieherin-Kind-Interaktion (Beobachtung, Dialog- und Beteiligungsbereitschaft, Impuls)
B Dokumentation und Weiterentwicklung 3 Planung (Grundlagen/Orientierung, Pädagogische Inhalte und Prozesse, Dokumentation)
C Räumliche Gestaltung der Lernumgebung (Innenbereich, Außenbereich) 1 Räumliche Bedingungen (Innenbereich, Außenbereich)
D Vorbereitete Lernumgebung 4 Nutzung von Vielfalt und Material
E Pädagogische Planung 3 Planung (Grundlagen/Orientierung, Pädagogische Inhalte und Prozesse, Dokumentation)
    5 Individualisierung (Berücksichtigung individueller Bedürfnisse und Interessen, Individueller Umgang mit Material und Angeboten)
    6 Partizipation (Einbeziehung der Kinder in Entscheidungsprozesse, Einbeziehung der Kinder in Gestaltungsprozesse, Balance zwischen Individuum und Gruppe)



Die Bereiche Räumliche Bedingungen, Erzieher-Kind-Interaktion, Planung sowie Nutzung und Vielfalt von Material sind bei beiden Instrumenten vergleichbar. Die Themen Individualisierung und Partizipation werden beim NKK als Leitgesichtspunkte separat abgefragt, bei TopKita gibt es innerhalb der Merkmale zur Erzieherin-Kind-Interaktion pro Bildungsbereich jeweils mindestens zwei Fragen zu Individualisierung und Partizipation.

Im Unterschied zum NKK fragt die TopKita Selbstevaluation etwas allgemeiner und mit stärkerem Fokus auf die Steuerung der Bildungsbereiche. Einerseits werden die wichtigsten inhaltlichen Kriterien abgefragt und andererseits bleibt den Betreuungspersonen ein angemessener Spielraum, um in dem Bildungsbereich eigene Schwerpunkte zu setzen.

TopKita hat alle 13 Bildungsbereiche aufgenommen, die in den deutschen Bildungsplänen vorkommen und umfasst damit vier Bildungsbereiche mehr als der NKK.

Anzahl der Merkmale TopKita: 530, im Durchschnitt 40 pro Bildungsbereich. NKK: 810, im Durchschnitt 90 pro Bildungsbereich.


 

Abbildung 3: Teil 2 Fragen an die Betreuungspersonen der TopKita Selbstevaluation im Vergleich zum NKK (Tietze, Viernickel (Hrsg.): Pädagogische Qualität entwickeln. Praktische Anleitung und Methodenbausteine für die Arbeit mit dem nationalen Kriterienkatalog, Weimar 2017).

  Selbstevaluation     NKK  
Nr Name Anzahl Merkmale Nr Name Anzahl Merkmale
12 Bewegung und Sport 47 11 Bewegung 72
13 Sprache 51 8 Sprache, Mehrsprachigkeit und Bilinguale Erziehung 134
14 Wahrnehmung und Sinneserfahrung 35      
15 Bauen, Werken, Konstruieren 41 13 Bauen und Konstruieren 54
16 Zahlen, Mengen, Größenverhältnisse, Muster 50 9 Kognitive Entwicklung 122
17 Experimentieren, Forschen, Entdecken 50 15 Natur, Umgebungs- und Sachwissen 89
18 Fantasie- und Rollenspiel 37 12 Fantasie- und Rollenspiel 55
19 Bildende Kunst 37 14 Ästhetische Bildung 81
20 Musik, Tanz und Darstellende Kunst 37 14 Ästhetische Bildung 81
21 Kulturelle Vielfalt 38 3 Individualität, Vielfalt und Gemeinsamkeit 89
22 Vermittlung von Sinn, Werten und Religion 31      
23 Freundschaften und Soziale Kontakte 40 10 Soziale und Emotionale Entwicklung 114
24 Nutzung von und Umgang mit digitalen Medien 36      
    530     810

 

Externe Evaluation – das TopKita Audit

Die Idee von TopKita ist, Kitas eine gute Rundumsicht der Qualität ihrer pädagogischen Arbeit zu ermöglichen. Dafür stellen wir Ihnen Evaluationen aus den drei wichtigsten Perspektiven zur Verfügung: Aus Sicht der Eltern, der Betreuungspersonen und externer Fachleute. Alle drei Fragebögen können anschließend im Qualitätsmonitor miteinander verglichen werden, so dass eine Kitaleitung zum Beispiel die Ergebnisse für den Bildungsbereich Bewegung aus der Elternsicht, der Sicht des eigenen Teams und der externen Sicht vergleichen kann.

Das TopKita Audit orientiert sich an aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen aus der pädagogischen Praxis. Die inhaltliche Güte des TopKita Audits orientiert sich an der bisher weit genutzten und anerkannten Kindergarteneinschätzskala**. Die instrumentelle Güte wird in Vorbereitung auf die Veröffentlichung von Frau Professor Irene Dittrich von der Hochschule Düsseldorf getestet und im Herbst hier veröffentlicht.

Das TopKita Institut für Qualität gGmbH ist die Akkreditierungsstelle für Zertifizierungsinstitute und Auditoren, die nach dem TopKita-Kriterienkatalog Kitas zertifizieren.
 

Eignungsvoraussetzung für die TopKita-Auditoren:

  • Einschlägige pädagogische Berufsausbildung und drei Jahre Berufserfahrung
  • Teilnahme an der 5-tägigen TopKita-Auditorenschulung
  • Erfolgreicher Abschluss der TopKita-Auditorenprüfung

 

Feedback und Zertifikat

Die Kita erhält zum Abschluss des eintägigen Audits in ihrer Einrichtung ein mündliches Feedback mit den wichtigsten Rückmeldungen und Hinweisen auf mögliche Weiterentwicklungen. Nach drei Wochen erhält die Kita einen schriftlichen Bericht und bei guten Ergebnissen ein vier Jahre gültiges TopKita-Zertifikat. Die Ergebnisse werden auf TopKita.de im Qualitätsmonitor eingepflegt und können von der Kita veröffentlicht werden.  

 

Zeitplan

Das TopKita Audit wird ab Herbst 2018 angeboten.

* Tietze, Viernickel (Hrsg.): Pädagogische Qualität für Tageseinrichtungen für Kinder. Ein nationaler Kriterienkatalog, Weimar 2017.
**Tietze, Roßbach (Hrsg.): Kindergarten-Skala (KES-RZ). Revidierte Fassung mit Zusatzmerkmalen. Deutsche Fassung der Early Childhood Environment Rating Scale – Revised Edition von Harms, Clifford, Cryer, Weimar 2017.